Warum Meditation im Wald anders ist als zu Hause?

Heute ist Sonntag, mein letzter Urlaubstag hat begonnen. Früh bin ich aufgestanden und den Vormittag habe ich mit ein bisschen Hausarbeit verbracht. Jetzt ist alles erledigt, ich schlüpfe in meine Hose und T-Shirt und mache mich auf den Weg in den Wald. Gott sei Dank, ist der gleich um die Ecke.

Nach einer Weile setzte ich mich auf eine Bank und genoss den weiten Blick über die Dahme. Während ich hier auf dieser Bank saß, fiel mir eine Übung aus meiner Ausbildung zur Kursleiterin für Waldbaden, Stille und Naturtherapie wieder ein. Wir sollten eine kleine Meditation machen. Ich schloss langsam meine Augen, nach kurzer Zeit stellte ich fest: „Nein, das halte ich nicht aus.“

Ständig kreisten meine Gedanken um „Was passiert gerade um mich herum?“ „Kriecht da gerade etwas vor meinen Füßen?“ „Schleicht sich von hinten jemand an?“

Ich kam einfach nicht zur Ruhe. Ein Gefühl von Unbehagen, nicht „sicher sein“, „ausgeliefert“ zu sein, kam in mir auf. Egal wie sehr ich versuchte, mich auf meinen Atem zu konzentrieren, meine Gefühle übermannten mich.

Ich riss die Augen auf. Mein Herz schlug schneller, als es sollte. Ich schaute mich um – niemand da, natürlich nicht. Trotzdem dauerte es einen Moment, bis sich mein Atem wieder beruhigt hatte.

Im Anschluss hatte ich mehr Fragen als Antworten in meinem Kopf. „Warum fühlte ich mich so unsicher?“ „Wieso konnte ich mich nicht einfach darauf einlassen?“ „Wieso stieg Angst in mir auf?“

In der Badewanne am Abend kam dann die Antwort. Es lag nicht an mir. Es lag nicht daran, dass ich schlecht meditieren konnte oder zu ungeduldig war. Es lag daran, dass mein Körper in einer total anderen Umgebung war – er war nicht zu Hause.

Zu Hause weiß mein Körper: Hier kann mir nichts passieren. Die Tür ist zu, die Wände sind fest, ich kenne jeden Winkel des Raumes. Mein Nervensystem kann sich erlauben, komplett herunterzufahren.

Im Wald ist das anders. Hier gibt es keine Wände. Hier kommen Geräusche von allen Seiten, ich kann nicht sehen, was hinter mir passiert, und irgendein uralter Teil in mir – der, der noch weiß, dass im Wald früher tatsächlich Gefahr lauerte – bleibt wachsam. Ganz gleich, wie sehr mein Kopf weiß, dass hier höchstens ein Eichhörnchen oder ein Rehkitz unterwegs ist.

Ich glaube, das ist etwas, das viele von uns nicht erwarten, wenn sie zum ersten Mal versuchen, draußen zur Ruhe zu kommen. Man rechnet mit Vogelgezwitscher und Frieden – nicht mit dem eigenen Puls, der plötzlich lauter ist als alles andere.

Das Gute daran: Diese Gefühle verschwinden nicht, indem man sie wegdrückt – sondern indem man ihnen Raum gibt. Ein paar Dinge, die mir danach sehr geholfen haben:

Ich muss die Augen nicht schließen. Meditation mit offenen Augen, den Blick weich und ohne festen Punkt, gibt mir das Gefühl, die Kontrolle zu behalten – und genau das brauche ich oft, um überhaupt erst zur Ruhe zu kommen.

Ich gebe mir Zeit. Nicht jeder Waldbesuch muss sofort in Stille enden. Manchmal ist es schon genug, einfach nur dazusitzen und wahrzunehmen, ohne krampfhaft „meditieren“ zu wollen.

Und ich erlaube mir, das Unbehagen einfach mal auszusprechen – auch mir selbst gegenüber. Es ist okay, sich im Wald nicht sofort sicher zu fühlen. Das macht mich nicht zu einer schlechten „Waldbaderin“. Es macht mich zu einem Menschen, dessen Körper einfach genau das tut, was er soll.

Hattest du auch schon mal solche Gefühle oder sogar Angst im Wald?

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