Kräuterwissen

Herbarium - Was ist das und wie legt man es an?

Ich, zwei schwere Bücher und mein Lavendel

Heute stand ein Thema auf dem Plan, das genau meinen Nerv als Macherin trifft: das Herbarium anlegen. Endlich mal wieder Hände dreckig machen statt nur Theorie pauken, auch wenn, Spoiler, das Sammeln nur die halbe Miete ist.

Was ist eigentlich ein Herbarium?

Kurz gesagt: eine Sammlung getrockneter, gepresster Pflanzen, dokumentiert und auf Bögen geklebt. Der Begriff kommt vom lateinischen herba = Kraut, und das Prinzip ist genial simpel, durch den Wasserentzug bleiben Pflanzen jahrzehnte-, teils jahrhundertelang haltbar. Die ältesten Herbarien der Welt sind mehrere hundert Jahre alt. Und im Wiener Naturhistorischen Museum lagern ganze 5 Millionen Herbarbelege. Fünf. Millionen. Da relativiert sich meine Aufgabe von 30 Pflanzen dann doch ein bisschen.

Für mein Zertifikat zur Kräuterpädagogin brauche ich genau das: 30 gesammelte, getrocknete und sauber dokumentierte Pflanzen, jede mit deutschem und botanischem Namen, Familie, Funddatum, Fundort und wer sie gesammelt hat.

Mein erster Kandidat: Lavendel

Für die erste Pflanze musste ich nicht mal aus dem Haus. Mein Lavendel stand die ganze Zeit schon auf dem Balkon und hat nur darauf gewartet, entdeckt zu werden. Kein großer Sammelausflug, keine Vorbereitung, kein Suchen nach dem perfekten Fundort. Mein Motto: Hauptsache, ich fang einfach mal an. Gesunde Triebe ausgesucht, an einem trockenen Tag geschnitten (Regen und frisch gesammelte Pflanzen vertragen sich bekanntlich nicht gut), zwischen Zeitungspapier gelegt und erdrückt von zwei schweren Büchern.

Und jetzt kommt der Teil, der mir als Macherin am schwersten fällt: warten. Kein schnelles Ergebnis, keine Abkürzung. Das Pressen braucht Zeit: Papier wechseln, kontrollieren, wieder warten. Bis zu drei Wochen, im schlimmsten Fall sogar zwei Monate, bis wirklich alle Restfeuchte raus ist. Mein Lavendel liegt jetzt also erstmal brav zwischen Zeitungsseiten und schweren Büchern und macht das, was ich am wenigsten kann: nichts tun und Zeit lassen.

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