
Rosmarin – der Duft des Meeres auf meinem Balkon
Es gibt Kräuter, die man erst richtig wahrnimmt, wenn man mit den Fingern über ihre Nadeln streicht und der Duft einem regelrecht entgegenspringt. Rosmarin gehört für mich definitiv dazu. Schon ein kurzer Griff in die Pflanze, und ich bin gedanklich sofort am Mittelmeer, auch wenn ich gerade nur in meinem Balkon in Köpenick stehe.

Woher kommt der Name?
„Rosmarin“ leitet sich vom lateinischen ros marinus ab – „Tau des Meeres“. Ein Name, der einem sofort ein Bild in den Kopf setzt: Küstenfelsen, salzige Luft, ein Strauch, der dort wächst, wo man es eigentlich niemandem zutrauen würde. Genau diese Widerstandsfähigkeit ist es vermutlich auch, die den Rosmarin über Jahrtausende zu einer Pflanze mit so vielen Zuschreibungen gemacht hat.
Eine Pflanze mit ordentlich Geschichte
Rosmarin ist keine Pflanze, die erst seit dem letzten Ernährungstrend relevant ist, ganz im Gegenteil. Schon in der Antike wurde er als Räucher- und Weihrauchkraut verwendet und man verband ihn mit der Göttin Aphrodite. Rosmarin galt lange als eine Art „Brautkraut der Liebe“.
Im 8. Jahrhundert schrieb Karl der Große in seinem berühmten Capitulare de villis den Anbau von Rosmarin auf allen Landgütern seines Reichs sogar ausdrücklich vor. Während der Pestepidemien wurde er verräuchert, um Räume zu desinfizieren, man wusste damals natürlich noch nichts von ätherischen Ölen und ihren Wirkstoffen, aber offenbar hatte man ein gutes Gespür dafür, dass da etwas dran ist.
Ab dem 16. Jahrhundert empfahl man Rosmarin bei den unterschiedlichsten Beschwerden, von der Leber bis zur Menstruation. Und im 18. Jahrhundert ergänzte der Apotheker Johann Wilhelm Weinmann die Liste um Gedächtnisstärkung und „Frauenleiden“. Mein persönliches Lieblingsdetail aus der Geschichte: Studierende sollen sich früher tatsächlich einen Rosmarinzweig hinters Ohr gesteckt haben, um wacher und konzentrierter zu sein. Ob’s wissenschaftlich haltbar ist, sei mal offen gelassen, aber als kleines Ritual vor der nächsten Prüfung fände ich das durchaus charmant.

Und heute?
Heute ist Rosmarin für mich all das gleichzeitig: Gewürz, Heilpflanze und einfach eine schöne, robuste Zierpflanze auf meinem Balkon.
Ob als Ölauszug für die Naturkosmetik, als Tee bei Verdauungsbeschwerden oder als Würze in der Küche: Rosmarin kann so viel mehr, als nur gut zu duften.